Wie jeder anstaendige Knabe wurde auch ich im zarten Alter von gefuehlt wenigen Jahren von meinen Eltern vorsichtig aber bestimmt in die Naehe von allerlei Musikinstrumenten bugsiert. Der Kleine pruegelt sich nicht, ist nicht wirklich daemlich, vielleicht hat er ja die eine oder andere Begabung, die in ihm schlummert? Jene vielleicht sogar magische Begabung, die es nur zu wecken gilt? Mit Begabungen ist das so eine Sache. Eine Begabung ohne Begeisterung ist natuerlich genau nichts wert, und dann gibt es da noch das Problem mit der Definition der Begabung. Intelligenzteste taugen nach neuesten Erkenntnissen ueberhaupt nicht dazu Intelligenz zu messen, wie misst man also eine Begabung? Also jedenfalls dachten sich meine Eltern wohl, Musikinstrumente gehoeren zum erzieherischen Grundprogramm, und so kam es, dass ich Floetenuntericht erhielt. Was habe ich das gehasst. Immerhin, die Anschaffung des Instruments war finanziel gesehen kein Beinbruch, und ich musste nicht grosse Kaesten mit mir rumtragen, solche, die Streichinstrumente beherbegen. Eine Floete konnte man leicht verbergen, sehr praktisch. Aber die Floeterei stellte sich als komplette Zeit- und Geldverschwendung heraus, ich konnte mit den albern klingenenden Toenen nichts anfangen. Keine Begabung und ganz sicher keine Begeisterung.
Meine aelterer Bruder lernte derweil das Klavier zu spielen. Ich weiss nicht, ob ihm das zusagte, wie sprechen hier von einem Alter, in dem sich Brueder hassen und nicht miteinander reden, und spaeter hab ich ihn nie gefragt. Mein Bruder hat eine Gehoer fuer Toene, das steht fest, aber auch die Klavierstunden wurden seltener und irgendwann war ganz Schluss damit. Mein Bruder begann die Guitarre zu spielen. Und gar nicht mal schlecht. Guitarren sind natuerlich auch viel cooler als Klaviere oder als Floeten, da steigen dann schon mal die Begeisterung und Enthusiasmus. Meine Bruder wurde immer besser auf dem von ihm auserwaehlten Instrument, und ich konnte weder Floete noch Klavier noch sonst etwas spielen. Es kam zu einer Vereinbarung. Mein Bruder sollte mir die wichtigsten Akkorde auf der Guitarre beibringen, gegen einen geringen Lohn. Meine Eltern waren zufrieden, weil sich beide Soehne musikalisch betaetigten, ich war zufrieden, da Guitarren nunmal vier cooler als Floeten sind, und mein Bruder ware zufrieden ob des Geldes. Win-win situation, wie es hier so schoen heisst.
Irgendwann begann ich mir nach einer stattlichen Anzahl von Stunden zusammen mit meinem Bruder selbst dieses und jenes beizubringen. Technisch spielte ich ziemlich sauber, ich konnnte Stunden damit verbringen Klassiker zu lernen, und solange zu spielen, bis ich sie tatasaechlich beherrschte. Ich mochte die Bluesgitaristen, ich verehrte die Banjospieler und versuchte mich an Stuecken von David Qualey oder Leo Kottke.
Das Problem war nur: Ich habe immer nachgespielt. Hier und da vielleicht eine kleiner Aenderung, Erweiterung, aber nichts wirklich eigenes, noch nicht mal eine Interpretation. Und jeder kann komplizierte Stuecke nachspielen. Es braucht ein paaar Jahre Geduld, aber irgendwann kann man es. Ich hatte die Geduld, war technisch vielleicht sogar begabt aber so kreativ wie eine Betonmischer.
Nur nachspielen ist uncool, da helfen auch coole Instrumente nichts. Ich gab auf und verkaufte alle Instrumente, sogar meine geliebte 12-Saitige. Case closed.
Vor ein paar Jahren erwarb ich wieder ein Guitarre, ich weiss gar nicht so recht wieso. Vielleicht beruhigt es mich, das Instrument zu besitzen. Nur fuer den Fall. Fuer den Fall, dass ich wieder anfangen moechte nachzuspielen.

dann koennen wir ja zusammen spielen. Du mit Deiner Guitarre und ich mit meiner Ukulele und dem Bass.
Wir koennten die neuen Arctic Monkeys werden.
Posted by: Fordiebianco | 11 January 2010 at 02:27 PM
Super Idee. Das riecht nach einem Welterfolg.
Posted by: Konstantin | 11 January 2010 at 02:44 PM