Ich bin immer gereist. Meine Eltern nahmen uns Kinder mit auf Reisen, mein Vater arbeitete in der Branche, das war fuer uns ganz normal. Ich habe viele wunderbare Reisegeschichten von meinen Eltern gehoert. Von schadhaften Flugzeugen irgendwo in Suedamerika, von seltsamen Begebenheiten auf Fluessen in Laendern in Afrika, es gab viel zu erzaehlen, damals.
Als ich fuenfzehn Jahre alt war, beschlossen meine Eltern mich in die wunderbare Welt des Reisens einzuweihen. So richtig. Die Familie flog nach Ceylon (damals noch Ceylon), meine Eltern verbrachten eine Woche an der Suedkueste. Mein Vater drueckte mir $50 in die Hand, Notfallgeld. Und wirklich nur Notfallgeld. Sollte es Probleme geben, durfte ich das Geld benutzen. Und nur dann. Damals konnte man fuer US50 von einem Ende der Insel zu anderen mit einem Taxi fahren.
Ich hatte etwas Geld angespart, einen Rucksack gekauft, wir schrieben das Jahr 1980, ich war allein auf einer grossen Insel in Asien, damals schossen sich die Menschen dort noch nicht gegenseitig tot.
Es war eine der besten Wochen meines Lebens. Ich ass das erste street curry meines Lebens, ich meine ich koennte es heute noch schmecken, ich stieg nachts auf Adam's Peak, mit allen anderen zusammen, weil manchmal nicht zählt wo man herstammt, sondern weil manchmal zaehlt, dass alle zusammen etwas erreichen, manchmal.
Ich sass auf den Trittbrettern der Zuege der Ceylon Government Railways, draussen, weil es dort nicht so heiss war, auf dem Weg in die Berge nach Candy, ich schlief in den grossartigsten B&Bs, ich suchte mir den Weg ueber die Insel, irgendwie, einfach, es ging genau so, irgendwie.
Ich hatte dann doch nicht genug Geld, weil ich nur unterwegs war und reiste und reiste und nicht anhalten wollte, und ich kam völlig abgebrannt, hungrig, müde und unglaublich aufgeregt nach einer Woche zurueck an der Suedkuste an. Ich hatte wunderbares erlebt. Ich hatte ein Land bereist. Ich hatte Menschen aus anderen Kulturen kennengelernt. Alles war neu. Ich war glücklich. Ich gab die $50 zurueck, ass fuer drei, schlief fuer vier und vergass nicht, was ich gesehen hatte.
Seitdem reise ich.
Kaum etwas ist so wichtig im Leben wie die Reiserei.
Nichts ist so spannend und aufregend wie das Neue. Das ist so banal wie wichtig. Und wer das nicht begreift, dem entgeht sehr viel. Manchmal ist das Leben wirklich unglaublich einfach.
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