Anke Groener schreibt in einer wunderbaren kleinen Reihe ueber eine der angenehmsten und anstrengendsten Dinge des Lebens, nein, nicht Beziehungen, essen (Tag 1, Tag 2, Tag 3, Tag 4, Tag 5).
Ich habe immer zuviel gewogen (man koennte auch sagen, ich war immer zu fett), ich glaube nicht, dass das jemals anders war. Vielleicht als kleiner Bengel, aber wenn ich mir alte Fotos ansehe, na, ich glaube auch vor vielen Jahren war da eine Menge Speck im Spiel. Frueher hielt man sowas ja durchaus noch fuer gesund.
Frueher. Frueher hat mich das beschaeftigt. Frueher hat mich das belastet. Frueher war das ein unglaublich grosser Teil meines Lebens.
Essen ist gut.
Ich empfinde Essen als schoen und angenehm. Menschen essen zusammen, sie kochen fuereinander, sie schaffen einen gemeinsam erlebten Moment im Leben, wenn sie essen, sie laden ein das Essen zu teilen. Essen ist Gastfreundschaft, Essen bedeutet Zuneigung und Freundschaft. Essen ist schmecken, riechen, fuehlen, schlucken, erleben. Essen ist leben, essen ist ueberleben.
Ich koche jeden Abend. Ich bin nicht das, was man einen brillianten Koch nennt, kochen bedeutet fuer mich vor allem abschalten, sich auf einfache Dinge zu konzentrieren, kochen ist leben. Meine Rezepte sind nicht besonders originell, aber sie produzieren gesundes Essen. Ich ernaehre mich gesund, nicht unbedingt nur weil es gut fuer mich ist, sondern weil ich es so mag. Ich esse keinen Zucker, weil ich mir aus Zucker nichts mache. Ich esse Obst, ich esse sehr viel Fisch (nein, nicht fisch and chips), ich vermeide rotes Fleisch und tierisches Fett so gut es geht, ich vernichte unheimlich viel Gemüse und noch viel mehr Gewürze, ich mag das so.
Ich habe keine Lust mehr, mich davon beeinflussen zu lassen, dass ich wohl angeblich nach dieser oder jener Tabelle zu viel wiegen wuerde. Ich habe Essen in Asien, Afrika, Europa und Amerika mit anderen Menschen geteilt. Nicht weil ich so ein toller Kerl bin, sondern weil einem so etwas passiert, wenn man reist. Und ich habe mich dabei gluecklich gefuehlt.
Ich habe zu essen. Ich gehoere zu denjenigen, ich habe einfach so zu essen. Wann immer ich essen will. Und es ist mir bewusst und ich vergesse das nicht
Ich mag es, Geld fuer gutes Essen auszugeben. Ich habe keine Problem damit, andere dafuer zu bezahlen, dass sie mir ihre Kreationen anbieten und ich diese probieren darf. Ich empfinde das als Bereicherung.
Ich habe mein Leben fuer eine Weile mit einer Person geteilt, die leidenschaftlich gern kocht. Und, ohmygawd, sie kocht wie kaum jemand, bless her. Sie ist der einzige Mensch, den ich kenne, der es geschafft hat, mit einer Bolognese einen Vegetarier davon zu ueberzeugen, dass Fleisch nicht zwangslaeufig schlecht sein muss. S. hat mir beigebracht, dass das Vorbereiten von Essen eine stundenlange Beschaeftigung sein darf, manchmal sogar sein muss. Und dass man diese Zeit geniessen sollte. Thank you, my dear.
Frueher war das alles anders. Ich kann nicht sagen, warum sich das geaendert hat. Ich weiss, es hat Jahre gebraucht um zu verstehen, wie wunderbar essen ist. Ich will mich sicher nicht als derjenige aufspielen, der alles begriffen hat. Vielleicht hatte ich einfach nur Glueck, und vielleicht liege ich ja auch vollkommen falsch, aber ich glaube das nicht. Ich freue mich sehr darueber, wenn andere Menschen anfangen, das, was man isst, nicht nur zu respektieren sondern zu lieben und sich wohl dabei zu fuehlen.
Heute abend gibt es in Joghurt und Tikka paste mariniertes Huhn mit Paprika, Pilzen und Lauch, im Ofen ueberbacken, mit Pilau Reis. Ich freue mich darauf.

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