Reisetagebuch
23.09.1992
Hotel Italia, morgens. Heute geht es los. Wir haben eine sechs Tage Tour gebucht. Insgesamt sieben Leute, davon zwei Schweizer und der Rest Deutsche. Die beiden Schwaben Ralf I und Ralf II. Die Tour kostet 2500 inklusive also etwa 55 DM, was als ein guter Preis erscheint. Den Jeep sah ich schon, recht neu, macht einen guten Eindruck. Die Leute scheinen auch fit zu sein. Gestern den Tag mit trinken verbracht. Vormittags mit den Schwaben durch die Stadt gezogen. Schoene Stadt. Schmale Gassen, Kolonialarchitektur, sehr ruhig. Um elf das erste Bier in einer Bar, blick auf den Orinoco. Dann irgendwann wieder zurueck ins Hotel. Immer wieder kommen Leute an, erzaehlen, fahren weiter, ein staendiges Kommen und Gehen. Man trinkt dazu sein Bier in der Bar, Venezolaner haengen ab, grosser Spass. Hier rennt ein Texaner herum, 60 Jahre alt, schwer am saufen, vollkommen hager, Gilbert, arrangiert alles. Wohnt in Venezuela, hat schon die halbe Welt gesehen und arbeitet jetzt als Vermittler fuer die Reisenden, kann einem wirklich alles besorgen und bescheisst nicht, scheint ueberall seine Haende drin zu haben. Hat fuer uns auch den Gran Sabana Trip vermittelt. Die witzigsten Gestalten, alle irgendwie abgedreht. Es war die beste Idee des Jahres hierher zu fahren. Abends mit Gilbert noch bar hopping. Unglaublich. Drei Spelunken, eine wilder als die andere. Gilbert erzaehlte aus seinem Leben. Der Mann ist verheiratet und hat Kinder. In Amerika rumgereist, irgendwann in Venezuela haengengeblieben. Smaragde, Gold im Sueden in Guyana, Touristen, irgendwas ging immer. Eigentlich waeren wir ein gefundenes Fressen fuer jeden Dieb, abends im besoffenen Zustand durch die Strassen von Ciudad Bolivar zu latschen. Irgendwann hatte ich genug, es war noch frueh fuer die Schwaben, sie sind noch weiter. Mit Gilbert in seinem Zimmer noch Rum getrunken, er wohnt im Hotel, dann endlich ins Bett. Das Bier hier ist klasse. Kein Schaedel.

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