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Nie wieder Brille putzen, nie wieder eine beschlagene Brille genervt abnehmen, endlich mal beim schwimmen oder beim duschen alles im Detail sehen koennen, nie wieder bei Regen oder auf dem Fahrrad oder beim wandern das Mistding verfluchen. Nie wieder nachts, wenn man mal aufstehen muss, im dunkeln danach auf dem Nachtisch suchen. Nie wieder ein verdammtes Vermoegen fuer neue Gestelle und Glaeser ausgeben. Nie wieder eine Ersatzbrille besitzen muessen. Und yeah baby, demnaechst mal wieder den Mopedhelm aufsetzen, ohne die Brille vorher abzunehmen.
Laser. Gestern nachmittag. Moorfields Eye hospital, Julian Stevens, einer der besten Laserspezialisten der Welt. Kein Scheiss.
Heute morgen Nachuntersuchung, die Sehkraft liegt nicht mal 24 Stunden nach OP bei 20/20 bzw 6/6, und das wird sich ueber die kommenden drei Monate planmaessig noch verbessern.
Ich hab noch nie so "scharf" gesehen wie heute. Irre.
Und morgen kauf ich mir zum ersten Mal in meinem Leben eine Sonnenbrille. Ne coole Ray Ban oder so was. Fuckinell.
Und eine Lesebrille, jaja. Aber das ist das Alter. Das kann keiner weglasern. Weder das Alter. Noch die Kurzsichtigkeit im Alter.
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Einmal im Jahr im April fahre ich nach Brighton.
Als sie starb, konnte ich beim Begraebnis nicht dabei sein, ich sollte es auch nicht. Sie haette es nicht gewollt. Aber ich wollte nahe sein, und das Meer unten an der Kueste tat das, was das Meer seit immer gemacht hat, es gab Ruhe und Melancholie und Bewegtheit. Und sehr viel Schoenheit.
Ich erinnere mich an den Tag, kurz vor Mittag wohl, um die Mitte des Tages herum. Irgendwo anders haben wir ihr die Ruhe bereitet, die sie sich gewuenscht hatte.
Ich gab der See etwas, was ich von ihr bekommen hatte. Nichts wertvolles, aber etwas wichtiges. Vielleicht trug damals die Stroemung hinaus, was ich mit nach Brighton gebracht habe, vielleicht ist es wieder aufgetaucht, es spielt keine Rolle. Aber fuer eine kleine Weile war es wieder zusammen mit ihr.
Ich hatte Sorge ich wuerde den Ort nicht wieder erkennen, beim naechsten Besuch. Wenn man zum ersten Mal in Brighton am Wasser steht, bei Nebel vielleicht oder bei Regen, scheinen die Steine am Strand an der Kueste die Wasserlinie zu verlaengern, hinauszuzoegern bis zum Horizont, oder zu beiden Seiten.
Aber ich weiss genau wo ich war, wo ich hin muss, wenn ich mit ihr sein moechte. Und ich werde es nie vergessen.
Einmal im Jahr im April fahre ich nach Brighton.
Dann komme ich zurueck zu dem Ort, an dem ich ihr nahe war, nachdem sie starb. Ich gehe zum Wasser, ich setze mich auf die Steine, ich schaue hinaus. Ich spreche mit ihr, ich erzaehle ihr, wie das Jahr war, was ich erlebt habe. Ich erzaehle ihr von meinem Leben. Ich erzaehle ihr von meinem Glueck, denn es geht mir gut. Ich erzaehle ihr von den Menschen, mit denen ich meine Leben teile. Sie waere stolz auf mich gewesen, sie haette mein Maedchen und ihre Eltern gemocht, sie haette sie so gern kennengelernt, ich weiss das, sie haette sich fuer mich gefreut.
Ich spreche mit ihr. Sie weiss alles. Vielleicht hoert sie mir zu. Vielleicht geniesse ich auch nur die Naehe, die Zweisamkeit am fruehen Morgen. Am Meer.
Einmal im Jahr im April fahre ich nach Brighton.
Ich freue mich.
Ich habe Dich sehr geliebt.
Ich danke Dir.
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Am 24 April 1932, also vor etwas mehr als 80 Jahren, machten sich zwischen 400 und 500 Wanderer auf den Weg, das Plateau des Kinder Scout im Peak District in Derbyshire, England zu besteigen. Der Peak District liegt (grob beschrieben) zwischen Manchester, Leeds, Sheffield und Birmingham und gehoert heute zu den beliebtesten Wanderzielen in England. Damals sah das anders aus, denn lediglich 1% der Wege durfte vom gemeinen Wanderer betreten werden. Der Rest war Privatgelaende, und die Besitzer nutzten das Land an wenigen Tagen des Jahres als Jagdgebiet.
Im April 1932 rief die Lancashire Section der British Workers Sports Federation ihre Mitglieder auf, den Gipfel des Kinder Scout zu erwandern, das ersehnte Ziel der zum grossen Teil kommunistisch orientierten ramblers war das sogenannte right to roam durchzusetzen.
In England und Wales existiert kein oeffentliches Betretungsrecht sondern ein Netzwerk oeffentlicher Wegerechte, dass auch Strassen mit einbezieht. Dieses heute ausgedehnte Netz an Wegen konnte man vor hundert Jahren mit Recht gerade mal als kuemmerlich bezeichnen.
Die ramblers brachen von Hayfield aus auf, es kam zu Handgreiflichkeiten und Auseinandersetzungen mit Wildhuetern, Jagdaufsehern und der Polizei. Die staatliche und private Obrigkeit konnte den organisierten trespass nicht aufhalten. Mehrere Wanderer wurden nach ihrer Rueckkehr verhaftet und verurteilt, nicht wegen unbefugtem Betreten, das keinen criminal offence darstellte, sondern wegen Gewaltaetigkeit.
Viele Wanderverbaende distanzierten sich von der Aktion, allerdings fuehrte die Verurteilung der Wanderer zu einer landesweiten Welle der Sympathie und zu einer andauernden Kampagne der 1931 gegruendeten Ramblers Association. 1949 wurde der National Parks and Access to the Countryside Act verabschiedet, 1951 wurde der Peak Disctrict zum ersten Nationalpark Englands erklaert, und der Zugang zum Kinder Scout nach 30 Jahren endlich freigegeben.
Am 30. November 2000 schliesslich kam es zur Verabschiedung des Countryside and Rights of Way Act, der das right to roam in vielen Gegenden Englands (in sogenanntem access land) definierte.
Der mass trespass of Kinder Scout gehoert zu den wichtigsten Ereignissen in der Geschichte der ramblers in England und das zu Recht, denn diese bewusste Missachtung bestehender Gesetze schuf die Grundlage fuer die heutige Gesetzgebung, die uns Menschen, die wir gern zu Fuss unterwegs sind, die Freiheit dazu gibt.
Erst vor einigen Monaten wanderte ich zum ersten Mal zum Kinder Scout.
(XL)
Die hoechste Erhebung im Peak District (636) Meter stand zwar schon lange auf meiner Liste, aber irgendwie hat es nie reingepasst.
Sehr schoen war's.
Und einen kleinen Augenblick stand ich vor der Gedenktafel.
Das ist wichtig.
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