Am 24 April 1932, also vor etwas mehr als 80 Jahren, machten sich zwischen 400 und 500 Wanderer auf den Weg, das Plateau des Kinder Scout im Peak District in Derbyshire, England zu besteigen. Der Peak District liegt (grob beschrieben) zwischen Manchester, Leeds, Sheffield und Birmingham und gehoert heute zu den beliebtesten Wanderzielen in England. Damals sah das anders aus, denn lediglich 1% der Wege durfte vom gemeinen Wanderer betreten werden. Der Rest war Privatgelaende, und die Besitzer nutzten das Land an wenigen Tagen des Jahres als Jagdgebiet.
Im April 1932 rief die Lancashire Section der British Workers Sports Federation ihre Mitglieder auf, den Gipfel des Kinder Scout zu erwandern, das ersehnte Ziel der zum grossen Teil kommunistisch orientierten ramblers war das sogenannte right to roam durchzusetzen.
In England und Wales existiert kein oeffentliches Betretungsrecht sondern ein Netzwerk oeffentlicher Wegerechte, dass auch Strassen mit einbezieht. Dieses heute ausgedehnte Netz an Wegen konnte man vor hundert Jahren mit Recht gerade mal als kuemmerlich bezeichnen.
Die ramblers brachen von Hayfield aus auf, es kam zu Handgreiflichkeiten und Auseinandersetzungen mit Wildhuetern, Jagdaufsehern und der Polizei. Die staatliche und private Obrigkeit konnte den organisierten trespass nicht aufhalten. Mehrere Wanderer wurden nach ihrer Rueckkehr verhaftet und verurteilt, nicht wegen unbefugtem Betreten, das keinen criminal offence darstellte, sondern wegen Gewaltaetigkeit.
Viele Wanderverbaende distanzierten sich von der Aktion, allerdings fuehrte die Verurteilung der Wanderer zu einer landesweiten Welle der Sympathie und zu einer andauernden Kampagne der 1931 gegruendeten Ramblers Association. 1949 wurde der National Parks and Access to the Countryside Act verabschiedet, 1951 wurde der Peak Disctrict zum ersten Nationalpark Englands erklaert, und der Zugang zum Kinder Scout nach 30 Jahren endlich freigegeben.
Am 30. November 2000 schliesslich kam es zur Verabschiedung des Countryside and Rights of Way Act, der das right to roam in vielen Gegenden Englands (in sogenanntem access land) definierte.
Der mass trespass of Kinder Scout gehoert zu den wichtigsten Ereignissen in der Geschichte der ramblers in England und das zu Recht, denn diese bewusste Missachtung bestehender Gesetze schuf die Grundlage fuer die heutige Gesetzgebung, die uns Menschen, die wir gern zu Fuss unterwegs sind, die Freiheit dazu gibt.
Erst vor einigen Monaten wanderte ich zum ersten Mal zum Kinder Scout.
(XL)
Die hoechste Erhebung im Peak District (636) Meter stand zwar schon lange auf meiner Liste, aber irgendwie hat es nie reingepasst.
Sehr schoen war's.
Und einen kleinen Augenblick stand ich vor der Gedenktafel.
Das ist wichtig.

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